Anime und die Suche nach der verlorenen Kindheit.

Zeichentrickfilme als Spiegel der Krise der japanischen Familie seit 1945

Takahata Isao, Hotaru no haka, 1988
Begleitender Vortrag zur Ausstellung Szenen der Kindheit - 60 Jahre Nachkriegsjapan , von Prof. Dr. Reinhard Zöllner, Leiter der Abteilung für Japanologie, Universität Bonn

Die Struktur japanischer Familien hat sich nach 1945 grundlegend gewandelt. Väter, Mütter und Kinder nahmen ihre Rollen in neuer Weise wahr. Die berufsbedingte Abwesenheit der Eltern aus dem Haus, die schulischen Herausforderungen, der Stress des Großstadtlebens, die gewachsene Distanz zur erweiterten Verwandtschaft und zur Nachbarschaft und nicht zuletzt die durch die neuen Medien beförderte, immer stärkere Einbindung in die Konsumgesellschaft prägen die spätmoderne Kindheit. Viele Werke der Anime-Regisseure Miyazaki Hayao und Takahata Isao sprechen diesen Wandel an und erinnern an die damit verbundenen Verluste. Welche Perspektive auf Kindheit sie dabei einnehmen, soll in diesem Vortrag dargestellt werden.