ZWISCHEN TRAUM UND WIRKLICHKEIT

JAPANISCHES NÔ-THEATER MIT DEM ENSEMBLE DER UMEWAKA KENNÔKAI FOUNDATION

mit
UMEWAKA Manzaburô III, Hauptspieler
UMEWAKA Norinaga, Hauptspieler
MURASE Jun, Nebenspieler
MIYAKE Ukon, Zwischenspieler
NARITA Hiroto, fue (Flöte)
KÔ Seijirô, ôtsuzumi (Handtrommel)
ÔKURA Shônosuke, kotsuzumi (Hüfttrommel)
TOKUTA Munehisa, taiko (große Trommel) u.a.

Nô ist die klassische Form des japanischen Theaters, vor mehr als 600 Jahren aus volkstümlichen Farcen und rituellen Tanzspielen entstanden und bereits im 15. Jahrhundert von Zeami Motokiyo (1363-1443) zu einer höchst verfeinerten Bühnenkunst entwickelt, bei der Schauspiel und Tanz, dramatische Dichtung und Poesie, Gesang und Instrumentalspiel in einer vollkommenen Synthese verschmelzen.

Zur Aufführung kommen meist tragische Sujets, die auf Mythen, Legenden oder auch bekannten historischen Ereignissen beruhen. Allerdings stehen nicht die Fabeln als solche im Mittelpunkt. Die Nô-Bühne zeigt selten eine schaubare Handlung. Die Darstellung konzentriert sich vielmehr auf die Schilderung seelischer Zustände von Menschen, die sich oftmals als psychische Grenzsituationen herausstellen und erst im Kontext buddhistischer Welt- und Jenseitsvorstellungen verständlich werden. Das Spiel schwebt gleichsam zwischen Traum und Wirklichkeit und appelliert in besonderer Weise an die Vorstellungs- und Einfühlungskraft des Zuschauers.

Dem ernsten Nô-Spiel als heiteres und burleskes Pendant untrennbar verbunden ist Kyôgen, das vornehmlich mit Dialog und volkstümlicher Konversation operierende Lustspiel der Japaner. In ihm geht es ganz realistisch um die komische Bloßstellung menschlicher Fehler und Schwächen, die gelegentlich auch satirische und gesellschaftskritische Schärfe annehmen kann. Letztlich geht es jedoch um die Schaffung einer Atmosphäre von Fröhlichkeit, in der Versöhnung und Harmonie als oberste gesellschaftliche Tugenden niemals ernsthaft in Gefahr geraten. In der traditionellen Aufführungspraxis des Nô dienen solche Kyôgen-Stücke denn auch als erholsame Zwischenspiele.

Die Umewaka Kennôkai Foundation, ein Ableger der renommierten Kanze-Schule, zählt heute zu den bekanntesten Nô-Theaterensembles in Japan. Sie kann auf eine viele Jahrhunderte lange Familientradition des Nô-Spiels zurückblicken und steht heute unter der Leitung von Meister UMEWAKA Manzaburô III (geb. 1941). Durch zahlreiche Auslandsgastspiele, in Deutschland 1993 (mit einem Auftritt auch in der Kölner Philharmonie), 1999 und 2000 hat sich das Ensemble mittlerweile auch ein internationales Renommé erworben. Zusammen mit der Kyôgen-Gruppe von MIYAKE Ukon (geb. 1941) wird das Ensemble auf einer originalgetreuen Bühne ein Programm aus zwei Nô-Stücken und einem Kyôgen-Zwischenspiel präsentieren. „Izutsu” (Am Brunnenrand) ist ein lyrisch-poetisches Nô-Spiel, das auf einer Episode der klassischen Novellensammlung „Ise monogatari” aus dem 9. Jh. basiert und an die Liebe der Tochter eines Hofbeamten zu dem berühmten Dichter und Frauenheld Ariwara no Narihira erinnert. Dem dramatischen Nô-Spiel „Aachigahara” (Auf der Adachi-Heide) liegt eine volkstümliche Legende zugrunde: Eine Gruppe von Wanderpriestern begegnet in der Einsamkeit einer nordjapanischen Heidelandschaft einer alten, verhärmten Frau, die sich als Dämon entpuppt. Das Kyôgen-Zwischenspiel „Uri-nusubito” (Der Melonendieb) stellt die mit Witz und Komik gespickte Auseinandersetzung zwischen einem Bauern und einem Landstreicher dar, der das Melonenfeld des Bauern zu plündern versucht. Um das Verständnis der japanisch gesprochenen wie gesungenen Dialoge und poetischen Kommentare zu erleichtern, wird während der Aufführung eine deutsche Übersetzung als Übertitel projiziert.

Programm
19.00 Uhr:
Einführung mit Mitgliedern des Ensembles

„Izutsu” (Am Brunnenrand)
Lyrisch-poetisches Nô-Spiel

„Uri-nusubito” (Der Melonendieb)
Burleskes Kyôgen-Zwischenspiel

„Adachigahara” (Auf der Adachi-Heide)
Dramatisches Nô-Spiel mit Auftritt eines imposanten Dämons

Veranstalter
KölnMusik gemeinsam mit dem Japanischen Kulturinstitut Köln

Veranstaltungsort
Kölner Philharmonie, Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

Karten
einheitlich €21,- (bei KölnTicket: Tel.: 0221-2801; www.koelnticket.de)

Im Rahmen des „Japan-EU-Jahres der Begegnung 2005”

Gefördert von The Japan Foundation
sowie
TORAY
MITSUI