ZEITGENÖSSISCHES JAPANISCHES KUNSTHANDWERK

Das japanische Kunsthandwerk blickt auf eine lange Geschichte zurück, in deren Entwicklung sich der Einfluss verschiedener Quellen wiederspiegelt. Waren zunächst Inspirationen aus China und Korea vorherrschend, spielen in der Moderne auch Stilelemente der westlichen Kunst eine immer größere Rolle.

Nach dem zweiten Weltkrieg fächerte sich das japanische Kunsthandwerk in weitere Bereiche und Richtungen auf, so dass es unmöglich scheint, Gemeinsamkeiten dieser Strömungen zu formulieren. Dennoch lassen sich auch heute bei den zeitgenössischen Arbeiten häufig wiederkehrende Themen erkennen.

Die von SHIRAISHI Masami, dem Chefkurator der Crafts Gallery des Nationalmuseums für Moderne Kunst in Tôkyô, konzipierte Wanderausstellung der Japan Foundation möchte ein breiteres Verständnis für die Vielfalt des japanischen Kunsthandwerks wecken. Die insgesamt 64 Exponate aus Keramik, Holz, Glas, Bambus, Lack oder Metall sind zum größten Teil Mitte der 90er Jahre entstanden und werden thematisch in sechs repräsentative Bereiche untergliedert:

Ein hervorragendes Charakteristikum der japanischen Kunst ist der Gebrauch von auffälligen, prachtvollen Farben sowie Gold und Silber, die in ausgefeilten Spezialtechniken aufgetragen werden.

Im direktem Gegensatz dazu stehen Werke, die in ihrer Schlichtheit eine Vornehmheit vermitteln, welche die natürliche Expressivität des verwendeten Materials in den Vordergrund stellt. Beispiele hierfür sind schlichte Keramiken, Holzarbeiten oder die von feiner Patina überzogenen Teekessel aus Metall.

Im dritten Bereich werden Stücke gezeigt, die auf eine bedeutsame Entwicklung des Kunsthandwerks in der späten Taishô- und frühen Shôwa-Zeit zurückgehen (1920er und 1930er Jahre). Vor allem unter dem Einfluss der westlichen Kunst wurden ab dieser Zeit Werke mit klarer Formensprache geschaffen, die sich vornehmlich gerader Linien, klarer Formen und klarer Farben bedienen.

Schließlich bildet das ausgezeichnete handwerkliche Können der Kunsthandwerker einen weiteren Themenkomplex. Es findet sich besonders in der ausdrucksvollen Gestaltung von dekorativen Mustern, die sich durch hohe technische und ästhetische Qualität auszeichnen.

Aber auch die Deformation von Gegenständen, bei der klare Linien absichtlich zerstört werden und damit die hinter der Perfektion verborgene Schönheit der Dinge hervortritt, spielt im japanischen Kunsthandwerk eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu früheren Zeiten findet sich dieses Merkmal heute nicht allein bei Utensilien der Teezeremonie.

Den sechsten Themenbereich bilden Exponate, die das in der Tradition der ostasiatischen Kunst verwurzelte Motiv der Blumen- und Vogelmalerei aufgreifen.