LE QUOTIDIEN - TSUDA MUTSUMI UND JACQUELINE MERZ

DIALOGAUSSTELLUNG

TSUDA Mutsumi setzt sich seit 1995 in ihrem fotografischen Werk mit einem spezifischen Moment der japanischen Geschichte auseinander : Hachi-Roku, dem Gedenktag zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima.

Jacqueline Merz lenkt ihren Blick auf Alltägliches in einer für sie fremden Welt : Sie zeigt Fotografien, die 2001 anläßlich einer Reise nach Japan entstanden sind. Beiden geht es dabei um das Betrachten von Vergänglichkeit, das Untersuchen von Oberfläche und Hintergrund, um die Andeutung dessen, was dahinter verborgen sein mag.

1962 in der Präfektur Nara geboren, hat TSUDA Mutsumi nach ihrem Abschluss an der Kyôto City University of Arts auch die Ecole d'Art d'Aix en Provence besucht. Sie hat mehrere EInzel- und Gruppenausstellungen in Japan und Frankreich durchgeführt und zuletzt als Artist in Residence in Neukaledonien gearbeitet. Gegenwärtig ist sie Associate Professor an der Seian University of Art and Design, Ôtsu. "Das, was den Abwurf der Atombombe ermöglicht hat, ist die Sichtweise einer aus der Luft errichteten, physischen Distanz. Hierdurch wurde auch die Mythenbildung um die Atombombe ermöglicht, wonach sie als eine Technik galt, mit der sich der Krieg beenden ließ. Weitergeführt hat auch die starke "Distanz" der Bildkontrolle, aufgrund derer die Fotos von Opfern nur ungenügend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, zur Mythenbildung des glücklichen "Endes" beigetragen. Mit diesen Bildern wird eine Entfernung zwischen der einen und einer weiteren Sichtweise der Distanz geschaffen. Aber sind es nicht gerade die Bilder, die - auch wenn es gefährlich ist - eine Problematisierung der Diskrepanz zwischen diesen beiden Polen ermöglichen? Wäre es nicht möglich, dass sie die Mauern der Bilder und Starrheit der Sichtweisen zum Einsturz bringen durch die ihnen innewohnende Macht der Reproduktion und ihre Kraft, Distanz in Nähe zu verwandeln? Dass sie die unausgewogen gebrochene Dynamik der Sichtweisen auf der Grundlage eines neuen Lichts ausleuchten? Dass sie dies zum Kern erheben und damit den Weg zur Bildung einer Sichtweisen ebnen, die allem "Ende" Widerstand leistet?" (MAEKAWA Osamu)

1962 in Niederbipp (CH) geboren, hat Jacqueline Merz 1990 ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich abgeschlossen. Sie hat zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Mazedonien und Frankreich durchgeführt, zahlreiche Publikationen veröffentlicht und im vergangenen Jahr im Künstlerhaus Edenkoben geabreitet. Jacqueline Merz lebt und arbeitet in Dresden.
"Wenn ich an fremden Orten unterwegs bin, dann oft tagelang ohne Kamera. Es ist, als müsste ich den mitgetragenen Bilderballast weglaufen, die Fotografin in mir überlisten, und das Auge dazu bringen, vorerst von den schönen Ausschnitten zu lassen. Dann warte ich und gehe und warte und dann ist da diese Baustelle: Der weiße Vorhang, der patroullierende Schutzmann, die Menschen, die daran vorbei zur U-Bahn eilen. Und plötzlich is der Weg zum Hotel viel zu weit. Und dann stehe ich wieder vor diesem Vorhang. Und es dämmert schon. Und der AUslöser bleibt unbetätigt, denn dies ist doch ein Mittagsbild." (Jacqueline Merz)

Mit freundlicher Unterstützung von Künstlerhilfe Dresden des Freundekreises der HfbK Dresden, Seian University of Art and Design

und von Henkel