HANGA - JAPANISCHE DRUCKKUNST VON 1946 BIS 1993

Die Ausstellung des Japanischen Kulturinstituts Rom gibt mit insgesamt 50 Werken von 50 Künstlern einen Einblick in die Entwicklung der japanischen Druckkunst von 1946 bis 1993. Thematisch gliedert sich die Ausstellung in fünf Zeitabschnitte, wobei die 50er bis 70er Jahre des 20. Jahrhunderts den Schwerpunkt bilden. Neben Holzschnitten werden Litographien, Siebdrucke und Radierungen gezeigt.

Die Druckkunst blickt in Japan auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück. Während in der Edo-Zeit die Ukiyo-e, traditionelle Holzschnitte, sehr beliebt waren, da sie vor allem beliebte Schauspieler und schöne Damen darstellten und entsprechend der großen Nachfrage in hoher Auflage gedruckt wurden, nahm ihre Bedeutung nach der Meiji-Restauration ab. Im Zuge des überwältigenden westlichen Einflusses trat die Photographie an die Stelle des Ukiyo-e, die wegen ihrer Realitätsnähe und Genauigkeit in der Wiedergabe von nun an bevorzugt wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Kunst des Holzschnitts wiederbelebt. Entscheidend hierbei war die Gesellschaft für kreative Drucke in Japan, die 1918 in Tôkyô gegründet wurde und bis in die siebziger Jahre hinein die graphische Kunst in Japan mitbestimmte. Im Zentrum dieser Gesellschaft standen die Künstler ONCHI Kôshirô und MUNAKATA Shikô, die beide in der hier gezeigten Ausstellung vertreten sind. Der durch die Gesellschaft geprägte Terminus Sôsaku hanga ("Kreative Drucke") war lange Zeit richtungweisend für die grafische Kunst Japans und folgte dem Ideal, dass der Künstler in den gesamten Herstellungsprozess eines Werkes eingebunden sein solle. Dies stand im Gegensatz zu Ukiyo-e, das in Zusammenarbeit von Künstlern, Schnitzern, Druckern und Verlegern entstanden war.

Nach dem 2. Weltkrieg gewannen zahlreiche Künstler um MUNAKATA, der die Holzschnitte auch aus dem festgelegten Kleinformat der Ukiyo-e befreit hatte, internationales Ansehen und wurden mit angesehenen Preisen auf den Biennalen von Sao Paulo (1955) und Venedig (1956) ausgezeichnet. Beispielhaft hierfür stehen IKEDA Masuo, NODA Tetsuya oder MATSUMOTO Akira, deren Werke ebenfalls in der Ausstellung vertreten sind.

Ende der 60er und in den 70er Jahren wurde unter dem Einfluss der Konzeptkunst immer mehr Werke geschaffen, welche die grundlegende Frage nach dem Wesen von Druckkunst aufwarfen. Neben dem Papier wurden auch andere Materialien einbezogen und das "Konzept" der Druckkunst erweitert, indem sich zum Beispiel eine größere Zahl von Grafikdesignern im Bereich der Druckkunst betätigten.

Die prominenteste Künstlerin aus dem Zeitabschnitt der 80er Jahre ist KUSAMA Yayoi, die schon in den 60er Jahren in New York mit ihren Malereien, Environments und Skulpturen Aufsehen erregt hatte. In dieser Ausstellung ist sie mit einem Siebdruck aus dem Jahr 1988 vertreten.