VISUELLE POPKULTUR

DER EINFLUSS VON MANGA AUF DIE KÜNSTLERISCHE ENTWICKLUNG VON KINDERN UND DIE GESELLSCHAFT

Vortrag von Professor Masami Toku
Professorin für Kunsterziehung
California State University, Chico, USA
 
Das Phänomen Manga bezeichnet längst nicht mehr nur eine Randerscheinung in der japanischen Kinder- und Jugendszene, sondern hat sich zu einer der wichtigsten Säulen der japanischen Popkultur entwickelt. In allen Alters- und Bildungsschichten haben sich sowohl innerhalb als auch außerhalb Japans unzählige Fangemeinden gebildet, die bestimmten Manga-Genres, Figurentypen und Geschichten huldigen. Auch innerhalb der Forschungslandschaft haben sich verschiedene Strömungen etabliert, die aus unterschiedlichen Perspektiven die Bedeutung von Manga in der heutigen Zeit untersuchen.

Prof. Masami Toku ist Professorin für Kunsterziehung an der California State University, Chico (USA) und geht in ihrem Vortrag schwerpunktmäßig darauf ein, welchen Einfluss visuelle Popkultur bzw. Manga auf die künstlerische Entwicklung von Kindern und die Gesellschaft haben.  

Eine zentrale Frage besteht darin, ob sich universell gültige Aussagen bezüglich des Erwerbs von künstlerischen Fähigkeiten bei Kindern machen lassen, wobei vor allem ein Vergleich zwischen Japan und den USA angestellt wird. Aus welchem Grund zeigen schon Kinder Begeisterung für bestimmte Manga, die sich durch spezielle narrative Strukturen oder ein außergewöhnliches Bild-Text-Verhältnis auszeichnen? 

Zur Beantwortung dieser Fragenkomplexe geht Prof. Toku auch auf die historischen Wurzeln von Manga ein, die sich unter anderem in japanischen Bildrollen oder Holzschnitten seit dem 12. Jahrhundert finden. Schließlich skizziert sie einzelne Manga-Genres, die sich an ausgewählte Zielgruppen richten wie die Shôjo-Manga (Manga für junge Mädchen) und Shônen-Manga (Manga für Jungen). Im Zusammenhang mit der Frage, ob manche Manga auch für den Einsatz im normalen Schulunterricht geeignet sind, wird ebenfalls beleuchtet, in welcher Form sie das Rollenverständnis der Geschlechter prägen. 

Nicht zuletzt spielen Manga in der heutigen japanischen Gesellschaft auch wirtschaftlich eine bedeutende Rolle, da sie schon von Beginn an erheblichen Einfluss auf die Umsätze in der Welt des Spielzeugs, der Mode und dem Merchandising ausgeübt haben. 

Prof. Toku stammt von der Insel Amami-Ôshima im Süden Japans, Präfektur Kagoshima, und hat sich am Anfang ihrer akademischen Karriere mit japanischer Literatur und der Informationswissenschaft in Bibliotheken beschäftigt. Ihren Traum, kuratorisch und als Kunsterzieherin tätig zu werden, erfüllte sie sich in den USA, wo sie 1992 an dem Art Institute of Chicago einen Abschluss machte. Nach dem Unterricht an einer japanischen Schule in Chicago wechselte sie 1999 an die Abteilung für Kunst und Kunstgeschichte an die California State University, Chico, wo sie seit zwei Jahren eine Professur für Kunsterziehung innehat.  

Das Hauptinteresse von Prof. Toku liegt in der kulturübergreifenden Erforschung der künstlerischen und ästhetischen Entwicklung von Kindern sowie in der Frage, auf welche Weise visuelle Popkultur die Lese- und Schreibfähigkeit von Kindern beeinflussen. Prof. Toku ist international tätig, sie arbeitet als Publizistin, Ausstellungskuratorin und hält weltweit Vorträge.  

Der Vortrag findet in japanischer Sprache statt und wird konsekutiv gedolmetscht.